Wenn Kritik schmerzt
Letztlich habe ich mich mit einer Kollegin unterhalten und folgenden Satz gehört: “Ich halte Kritik einfach nicht aus.”
Ein einziger Satz von jemandem reicht und du fühlst dich klein, falsch oder überfordert. Kritik trifft uns selten an der Oberfläche. Sie trifft uns dort, wo wir empfindlich sind. Genau deshalb wirkt sie so stark.
Kritik ist ein Beziehungsgeschehen. Sie sagt nicht nur etwas über die Situation, sondern auch über die Verbindung zwischen zwei Menschen. Und sie sagt viel darüber, wie wir uns selbst sehen. Häufig verletzen uns Worte nicht wegen ihres Inhalts, sondern weil sie an alte Erfahrungen anknüpfen.
Warum Kritik so tief geht
Kritik löst Stress im Nervensystem aus. Das Gehirn reagiert, als wäre Gefahr im Verzug. Viele Menschen berichten, dass sie sofort in Rechtfertigung oder Rückzug geraten. Nicht weil sie empfindlich sind, sondern weil ihr System Schutz sucht.
Oft trägt Kritik eine Botschaft in sich, die wir aus früheren Beziehungen kennen. Vielleicht haben wir als Kind erlebt, dass Anerkennung selten war oder dass Fehler hart kommentiert wurden. In solchen Fällen fühlt sich Kritik heute weniger wie Feedback und mehr wie ein Angriff auf den eigenen Wert an.
Was dir helfen kann
1. Atme bevor du antwortest
Ein kurzer Moment der Pause schützt dich vor impulsiven Reaktionen. Sag innerlich: Ich bleibe bei mir. Dieser Satz schafft sofort mehr Klarheit.
2. Trenne Inhalt und Interpretation
Zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was du hörst, liegen oft Welten. Frag dich: Was wurde tatsächlich gesagt und was bedeutet es für mich. Diese Unterscheidung bringt Ruhe.
3. Erkenne den Unterschied zwischen Kritik und Bewertung
Kritik beschreibt Verhalten. Bewertung greift deine Person an. Wenn du das erkennst, kannst du wählen, was du annehmen möchtest und was du zurückweisen darfst.
4. Sag ehrlich, wenn dich etwas verletzt
Viele Menschen schweigen, obwohl sie sich getroffen fühlen. Doch Beziehung lebt von Klarheit. Du darfst sagen: Das hat mich verletzt. Dadurch entsteht Verbindung statt Distanz.
5. Höre auf das, was dir guttut
Nicht jede Kritik verdient Raum. Manche Worte spiegeln lediglich die Unsicherheit oder Überforderung der anderen Person. In der Einzelberatung lernen viele Klientinnen und Klienten, sorgfältiger zu wählen, wem sie inneren Einfluss geben.
Wenn alte Muster aktiv werden
Viele von uns haben gelernt, sich über Leistung oder Anpassung zu definieren. Kritik fühlt sich dann wie ein Verlust von Wert an. In der Einzelberatung geht es oft darum, diese alten Muster sichtbar zu machen und zu verstehen, warum Kritik stärker schmerzt, als sie müsste. Sobald du lernst, deinen eigenen Wert nicht von fremden Worten abhängig zu machen, entsteht innere Freiheit.
Mein persönliches Fazit
Kritik ist nicht das Problem. Entscheidend ist, wie wir sie einordnen und wie wir dabei mit uns selbst umgehen. Wenn du beginnst, dir selbst mit Freundlichkeit zu begegnen, verliert Kritik ihre Bedrohlichkeit. Sie wird zu einem Hinweis, nicht zu einem Urteil.
Kleiner Impuls für deinen Alltag
Wenn dich jemand kritisiert, stell dir eine einfache Frage: Was gehört zu mir und was gehört zur anderen Person. Diese kleine Unterscheidung kann dein inneres Gleichgewicht sofort verändern.
Herzlichst
Michelle
Ohana Beratung