Wenn kleine Kinder grosse Gefühle haben: Wie Eltern mit Wut, Frust, Schreien und Hauen sicher umgehen können

Kaum etwas fordert Eltern so stark wie die intensiven Gefühle ihrer Kleinkinder. Ein Moment ist alles ruhig, im nächsten fliegen die Spielsachen, das Kind schreit oder haut in alle Richtungen. Viele Eltern fragen sich dann: Was mache ich falsch. Warum reagiert mein Kind so heftig.

Die Antwort ist entlastend. Dein Kind macht nichts falsch. Du machst nichts falsch. Starke Gefühle sind ein natürlicher und wichtiger Teil der Entwicklung.

Kleinkinder besitzen noch keinen reifen Umgang mit Emotionen. Sie fühlen zuerst und verstehen später. Der Körper übernimmt die Kontrolle. Schreien, Hauen oder Werfen sind keine Anzeichen von Ungezogenheit, sondern Ausdruck von Überforderung.

Warum Kleinkinder so intensiv reagieren

Das Nervensystem kleiner Kinder ist noch im Aufbau. Sie können Frust und Enttäuschung nicht regulieren. Wenn etwas nicht klappt oder ein Bedürfnis unerfüllt bleibt, staut sich die Energie in ihrem Körper. Wut ist dann nicht gegen dich gerichtet, sie ist in ihnen drin.

Kinder erleben diese Gefühle als überwältigend und suchen Halt. Sie brauchen einen Erwachsenen, der innerlich stabil bleibt und zeigt: Ich sehe dich. Du bist sicher. Die Gefühle dürfen sein.

Was dein Kind in solchen Momenten wirklich braucht

1. Bleib ruhig und präsent
Deine Ruhe reguliert das Nervensystem deines Kindes. Sag klar: Ich bin da. Du bist sicher. Das allein kann schon viel bewirken.

2. Stoppe Verhalten, nicht Gefühle
Sag zum Beispiel: Ich lasse nicht zu, dass du mich haust. Du darfst wütend sein. Damit lernt das Kind, dass Gefühle erlaubt sind, verletzendes Verhalten jedoch nicht.

3. Gib dem Gefühl einen Namen
Sätze wie “Du bist enttäuscht” oder “Das hat dich sehr geärgert” helfen dem Kind, Emotionen zuzuordnen. Je besser ein Kind seine Gefühle versteht, desto leichter kann es sie später regulieren.

4. Halte Nähe, wenn das Kind es zulässt
Manchmal möchte ein Kind gehalten werden, manchmal nicht. Beides ist okay. Wichtig ist, dass du emotional erreichbar bleibst.

5. Sprich wenig in der akuten Phase
Während eines Wutausbruchs ist Sprache für Kinder kaum zugänglich. Halte deine Worte kurz und klar. Präsenz wirkt stärker als Erklärungen.

Was Eltern oft zusätzlich belastet

Viele Eltern verspüren Scham, wenn ihr Kind wütet oder in der Öffentlichkeit schreit. Dieses Gefühl hat häufig mit der eigenen Erziehungsgeschichte zu tun. Vielleicht wurden starke Gefühle früher bewertet, bestraft oder kleingemacht.

In der Beratung erleben Eltern einen wichtigen Aha Moment. Wut ihres Kindes ist nicht Persönlichkeitsproblem, sondern Entwicklungsaufgabe. Entlastung entsteht, wenn klar wird: Dein Kind braucht Führung, nicht Perfektion.

Wenn Grenzen wichtig werden

Kleinkinder testen nicht bewusst Grenzen aus. Sie lernen gerade, wie die Welt funktioniert. Grenzen geben Sicherheit. Eine klare Ansage wie Ich halte deine Hände fest, damit niemand verletzt wird schützt das Kind und beruhigt oft die Situation.

Grenzen müssen nicht hart sein. Sie brauchen Klarheit und Wärme.

Mein persönliches Fazit

Starke Gefühle sind keine Gefahr, sondern ein wichtiger Schritt in die emotionale Reife. Ein Kleinkind, das wütet, zeigt nicht Respektlosigkeit, sondern Menschlichkeit. Es zeigt seinen inneren Zustand.

Eltern werden zu sicheren Begleitern, wenn sie Gefühle ernst nehmen, Verhalten lenken und präsent bleiben. Genau dadurch entwickeln Kinder Vertrauen in sich selbst und in die Beziehung zu ihren Bezugspersonen.

Kleiner Impuls für deinen Alltag
Wenn dein Kind das nächste Mal wütet, frag dich innerlich: Was braucht mein Kind gerade wirklich. Meist ist die Antwort nicht Erziehung, sondern Sicherheit.

Herzlichst
Michelle
Ohana Beratung

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