INTERVIEW mit Salomé: Psychologische Begleitung nach einer Trennung
Ich finde es immer wieder spannend zu hören, was andere Expertinnen und Beraterinnen aus ihrer Arbeit erzählen und welche Erfahrungen sie dabei sammeln. Heute freue ich mich ganz besonders auf Salome. Sie ist psychologische Beraterin und begleitet Frauen nach einer Trennung auf ihrem Weg zurück zu sich selbst und in ein neues Lebenskapitel.
Mit viel Einfühlungsvermögen und Klarheit unterstützt sie Frauen dabei, schwierige Phasen zu verarbeiten, neue Perspektiven zu entwickeln und wieder Vertrauen in sich und ihre Zukunft zu finden. Umso mehr freue ich mich, dieses Interview mit euch zu teilen. Viel Freude beim Lesen!
1. Du begleitest in deiner Arbeit viele Frauen und Familien durch Trennungen und Scheidungen. Was hat dich persönlich dazu bewegt, diesen Schwerpunkt in deiner Beratung zu setzen?
Am Anfang meiner Tätigkeit als Coach und psychologische Beraterin kamen oft Frauen mit einem Trennungshintergrund zu mir und ehrlich gesagt, ich habe das zunächst gar nicht so richtig verstanden. Warum haben fast alle meine Klientinnen eine ähnliche Geschichte und ähnliche Herausforderungen? Eine klare Antwort darauf habe ich bis heute nicht, aber eine Vision schon. :-) Wir alle sind dafür geschaffen, Beziehungen zu führen und wir brauchen sie auch sooo sehr. Doch eine Trennung kann unsere Beziehungsfähigkeit verletzen. Vertrauen, Selbstwertgefühl, Zukunftsängste… all das sind Themen, die besonders in dieser Situation stark belasten können. Deshalb habe ich mich auf genau dieses Gebiet spezialisiert: nicht, weil ich Trennungen unterstützen möchte, sondern weil ich an Beziehungen glaube! Und etwas, das ich immer wieder feststelle: Viele unterschätzen die langfristigen Auswirkungen einer unverarbeiteten Trennung und das zeigen auch Studien. Gefühle, die nicht verarbeitet werden, wirken auf zukünftige Beziehungen, Selbstvertrauen und das eigene Wohlbefinden noch lange nach. Bei Eltern und bei Kindern! Deshalb ist es so wichtig, sich Zeit zu nehmen, die Trennung bewusst zu verarbeiten, Unterstützung zu suchen.
2. Viele Frauen erleben eine Trennung als einen der schwierigsten Momente ihres Lebens. Mit welchen Gefühlen und inneren Konflikten kommen Mütter in dieser Phase am häufigsten zu dir?
Viele Mütter erleben eine Trennung als eine der schwersten Zeiten ihres Lebens. Sie kommen zu mir mit einem Gefühl von Traurigkeit, Überforderung und oft auch Schuld. Sie hinterfragen sich selbst und fragen: „Schaffe ich das alleine?“ oder „Bin ich eine gute Mutter?“ Gleichzeitig spüren sie Ängste vor der Zukunft und Zweifel an ihrer eigenen Stärke. In diesen Momenten ist es ganz normal, dass all diese Gefühle durcheinanderwirbeln. Genau hier setze ich an: Ich begleite sie dabei, wieder Vertrauen in sich selbst und anderen zu finden, ihr eigener Wert zu spüren und Schritt für Schritt zu erkennen, dass sie auch nach einer Trennung einen Weg zu neuer Hoffnung, Zuversicht und erfüllten Beziehungen finden können.
3. Viele Mütter haben nach einer Trennung starke Schuldgefühle gegenüber ihren Kindern. Wie können Eltern lernen, mit diesen Gefühlen umzugehen, ohne sich selbst ständig infrage zu stellen?
Viele Mütter fühlen sich nach einer Trennung schuldig, so, als hätten sie etwas falsch gemacht, einfach weil die Familie nicht mehr so ist wie vorher. Das ist ein sehr menschliches Gefühl, doch es darf nicht die ganze Realität bestimmen. Wichtig ist, diese Schuldgefühle anzuerkennen, ohne sich selbst ständig zu verurteilen. Gespräche mit anderen Eltern oder Unterstützung durch Beratung können helfen, die Perspektive zu verändern: Nicht die Trennung selbst macht Kinder unglücklich, sondern der Umgang damit. Eltern können lernen, bewusst für ihre Kinder da zu sein, sich selbst Pausen zu gönnen und sich daran zu erinnern: Liebe, Aufmerksamkeit und Stabilität sind das, was wirklich zählt, nicht Perfektion. Schuldgefühle werden weniger, wenn man erkennt: Man tut sein Bestes in einer schwierigen Situation, und das ist genug.
4. Wie können Eltern ihre Kinder gut durch eine Trennung begleiten, ohne sie in den Konflikt der Erwachsenen hineinzuziehen?
Kinder machen sich oft ihr eigenes Kopfkino, wenn Erwachsene nicht offen über die Trennung sprechen. Sie versuchen alles zu verstehen und interpretieren Situationen dabei oft falsch. Oft fühlen sie sich verantwortlich oder denken, sie hätten etwas falsch gemacht. Kinder haben das Recht, beide Elternteile genau so fest zu lieben, wie sie es brauchen, ganz ohne Schuldgefühle. Deshalb ist es so wichtig, ehrlich und altersgerecht zu erklären, was passiert ist, und immer wieder zu betonen: „Mama und Papa lieben dich, und du bist nicht schuld.“ Rituale, klare Strukturen und gemeinsame Momente geben Sicherheit. So lernen Kinder, dass sie trotz Veränderungen geliebt und geschützt sind, ohne in den Konflikt der Erwachsenen hineingezogen zu werden.
5. Nach einer Trennung müssen viele Frauen ihr Leben oft neu ordnen. Was hilft Müttern dabei, wieder Vertrauen in sich selbst und ihre eigenen Entscheidungen zu entwickeln?
Nach einer Trennung fühlen sich viele Mütter verunsichert: „Schaffe ich das allein?“ oder „Treffe ich die richtigen Entscheidungen?“ Das ist ganz normal auch wenn sehr Mühsam. Um wieder Vertrauen in sich selbst zu entwickeln, hilft es, Schritt für Schritt vorzugehen und sich kleine Erfolge bewusst zu machen und zu feiern! Wichtig ist auch, sich selbst Zeit und Raum zu geben, Gefühle zu verarbeiten, sich Unterstützung zu holen, sei es durch Freundinnen, Familie oder professionelle Begleitung. Reflexion und Austausch helfen, Klarheit über die eigenen Wünsche und Werte zu gewinnen. Und vor allem: sich selbst liebevoll begegnen. Wer sich erlaubt, Fehler zu machen und daraus zu lernen, stärkt langfristig das Vertrauen in die eigenen Entscheidungen und merkt: Ich kann mein Leben gestalten, auch nach einer Trennung.
6. Wo erlebst du in deiner Arbeit mit getrennten Eltern die grössten Herausforderungen im Alltag mit Kindern und welche kleinen Veränderungen können hier bereits viel bewirken?
In meiner Arbeit mit getrennten Eltern sehe ich oft, dass der Alltag mit Kindern zur grössten Herausforderung wird, wenn Unsicherheiten, Streit oder fehlende Strukturen den Rhythmus stören. Kinder spüren die Spannungen, reagieren mit Unsicherheit oder emotionalem Verhalten (Tantrums), und Eltern fühlen sich oft überfordert. Schon kleine Veränderungen können hier viel bewirken: klare Absprachen zwischen den Eltern, feste Rituale für die Kinder, kurze, regelmässige Gespräche über Gefühle und Bedürfnisse, und vor allem ein respektvoller Umgang miteinander. Diese einfachen Schritte geben den Kindern Stabilität und helfen den Eltern, wieder mehr Gelassenheit und Selbstvertrauen im Alltag zu gewinnen. Ob das einfach ist? Nein, absolut nicht, besonders wenn die Kommunikation zwischen den Eltern nicht so berauschend ist.
7. Wenn du einer Mutter, die gerade mitten in einer Trennung steckt, eine einzige Botschaft mitgeben könntest – welche wäre das?
Mmmh, sehr gute Frage. Ich glaube ich würde einfach sagen “Du bist genug wie du JETZT bist. Es ist okay, nicht alles sofort zu wissen oder perfekt zu machen. Du bist stark, du bist liebenswert, und alles, was du gibst, deine Liebe, deine Fürsorge, deine Aufmerksamkeit, ist genug."
Ich danke Salomé ganz herzlich für ihre Offenheit und das spannende Interview, das ich führen durfte.
Herzlichst,
Michelle
Ohana Familienberatung